| 20:26:08 |
Moderator |
Wollen wir beginnen? |
| 20:26:17 |
K.Schaefers |
Ja, gern |
| 20:26:21 |
Dr_Natke |
Gerne. |
| 20:26:25 |
Moderator |
Okay |
| 20:30:12 |
Moderator |
Frage von gadamer: Guten Abend! Warum verlieren manche Menschen das Stottern in der
Kindheit wieder, während es sich bei andern nicht verliert? |
| 20:31:14 |
Dr_Natke |
Das weiß man noch nicht genau.
Es lässt sich bisher nicht verhersagen, welche Kinder das Stottern wieder
verlieren, und bei welchen es besetehen bleibt. Es gibt bislang lediglich
gewisse Warnzeichen. |
| 20:31:52 |
Moderator |
Frage von Celjas: Ist Stottern auch noch mit 21 heilbar? |
| 20:33:18 |
Dr_Natke |
"Heilung" ist so eine
Sache. Im engeren Sinne sind Heilungen nach der Pubertät extrem selten. Aber
man kann auch im Erwachsenenalter seine Sprechflüssigkeit durch Therapien
noch sehr steigern. |
| 20:34:17 |
K.Schaefers |
... und durch Selbsthilfe - zum
Beispiel Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe |
| 20:34:17 |
Moderator |
Frage von Celjas: Aber wie kann man steigern? Ich habe schon eine langjährige
Therapie hinter mir und es hat nicht geholfen, Dr.Natke |
| 20:35:24 |
Dr_Natke |
Es gibt zwei Hauptrichtungen der
Stottertherapie, Fluency Shaping und die Stottermodifikation. Die Wirksamkeit
beider Ansätze ist in Studien belegt. Letztlich muss aber der einzelne
herausfinden, welcher Ansatz bei ihm funktioniert. |
| 20:36:29 |
K.Schaefers |
Die Bundesvereinigung
Stotterer-Selbsthilfe informiert und berät über Therapiemöglichkeiten! |
| 20:36:37 |
Moderator |
Frage von Celjas: Dr.natke. Wie finde ich den geeigneten therapeuten? |
| 20:36:39 |
Dr_Natke |
Ja, Herr Schäfers, die Teilnahme
an einer Selbsthilfegruppe kann viel bewirken. Ich stottere selbst auch und
habe auch jahrelang eine Selbsthilfegruppe besucht. |
| 20:37:39 |
Moderator |
Frage von Celjas: Kann man das auch per Internet klären? Herr Schäfers? |
| 20:37:52 |
Dr_Natke |
Die erste Adresse hierfür ist
die BVSS, die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe. Dort wird ein
Therapeutenverzeichnis geführt und auch beraten. Auch in den
Selbsthilfegruppen kann man Leute treffen, die von ihren Therapieerfahrungen
berichten. Im Internet gibt es inzwischen auch schon viele Informationen,
insbesondere zu Intensivangeboten. |
| 20:38:23 |
Moderator |
Frage von Celjas: Was sind Intensivangebote? |
| 20:38:35 |
K.Schaefers |
Es gibt bei der BVSS ein
bundesweites Therapeutenverzeichnis, Adressen daraus gibt es in einer
telefonischen Fachberatung. Kontakt über www.bvss.de |
| 20:39:13 |
Moderator |
Frage von Minimaus: Weiß man woher stottern eigentlich kommt ? |
| 20:39:16 |
Dr_Natke |
Therapien, die nicht einmal
wöchentlich eine Stunde lang durchgeführt werden, sondern z.B. viermal eine
Woche oder an Wochenenden - also zeitlich gesehen intensiv. |
| 20:40:50 |
Dr_Natke |
Nein, die Ursache des Stotterns
ist nicht bekannt. Es gibt Stottern schon seit Menschengedenken. Man weiß,
dass es einen starken erblichen Einfluss gibt. Der führt möglicherweise zu
einer Veranlagung zum Stottern. Dann können auslösende und aufrechterhaltende
Faktoren aus den unterschiedlichsten Bereichen hinzukommen. |
| 20:41:04 |
Moderator |
Frage von Celjas: Telefonische Beratungen sind für Stotterer eher nicht so geeignet |
| 20:41:45 |
K.Schaefers |
Warum? Da sind Leute am Telefon,
die jeden Tag mit Stotternden reden. Kein Problem! |
| 20:42:32 |
Moderator |
Frage von Celjas: Jaja, aber disen ersten Schritt erstmal als Betroffener zu machen
und dann auch noch telefonieren... |
| 20:43:39 |
K.Schaefers |
Eine Therapie zu beginnen und
einen Therapeuten zu suchen ist auch ein großer erster Schritt... Nur Mut!
Die schriftliche Weitergabe von Adressen ist jedenfalls nicht sehr effektiv -
das ist unsere Erfahrung. |
| 20:43:54 |
Moderator |
Frage von Minimaus: Weiß man woher stottern eigentlich kommt ? |
| 20:44:56 |
Dr_Natke |
Da habe ich bei 20:40:50 schon
etwas zu geschrieben. Gibt es dazu noch eine konkrete Frage? |
| 20:45:05 |
Moderator |
Frage von gadamer: Mein Vater hat auch gestottert, dann ist das also doch auch
erblich - mir sagte man früher immer, daß Stottern nur psychisch ist. Dann
stimmt das gar nicht so oder - Herr Schäfer oder Dr. Natke! |
| 20:46:09 |
Dr_Natke |
Stottern ist auf jeden Fall
nicht psychisch bedingt. Stotterer und Nichtstotterer unterscheiden sich
nicht in ihren Persönlichkeitseigenschaften, sie bilden eine Querschnitt
durch die Gesellschaft. Sie unterscheiden sich übrigens auch nicht in ihrer
Intelligenz. |
| 20:46:30 |
Moderator |
Frage von Celjas: Dr.natke. Stimmt es dass das Stottern aufgrund psychischer
Probleme stärker wird? |
| 20:46:44 |
K.Schaefers |
Vererbt wird die Veranlagung zum
Stottern, nicht das Stottern selbst! |
| 20:47:02 |
Dr_Natke |
Für einen Erbfaktor spricht die
familiäre Häufung, genau. Außerdem haben stotternde Menschen häufiger
stotternde Verwandte. Und Zwillingsstudien sprechen auch für einen
genetischen Faktor. |
| 20:47:18 |
Moderator |
Frage von marc82: Hallo. Ich stand letztens an einer Kasse an. Es war eine wirklich
nette Kassiererin. Ich gab Ihr mein Geld und dann wollte Sie scheinbar etwas
sagen, aber Sie hat so gestottert, dass ich Sie garnicht verstanden habe und
bin beschaemt weggegangen... Im Nachhinein tut mir das Wahnsinnig leid und
ich mache mir Vorwuerfe. Wie kann ich in Zukunft mit solchen Situationen
besser umgehen? Ich wollte das nicht aber ich war einfach so verdutzt |
| 20:48:11 |
Dr_Natke |
Celjas, manchmal kann Stottern
dazu führen, dass große Ägnste oder Frustration auftritt. Unter Umständen
kann es sinnvoll sein, diese Belastungen zusätzlich zu einer logopädischen
Therapie zu behandeln. |
| 20:48:19 |
Moderator |
Frage von Celjas: Herr Schäfers, meine Mutter schämt sich für mich und ich habe
mich ein leben lang deswegen fertig gemacht, weil ich nicht perfekt für sie
bin und sie enttäusche. Wie kann ich damit umgehen? |
| 20:49:50 |
K.Schaefers |
Das hat sicher nicht unbedingt
etwas mit dem Stottern zu tun, jedenfalls nicht ursächlich. Können Sie
darüber mit ihr reden? |
| 20:50:03 |
Dr_Natke |
marc82, Stotterer wollen
möglichst "normal" behandelt werden. Sie benötigen nur mehr Zeit
als Nichtstotterer. Man sollte auch versuchen, normalen Augenkontakt zu
halten, ohne hinzustarren. Wegschauen kann nur die Scham erhöhen. |