Beratungsstellen Artikelarchiv Linkliste
das-beratungsnetz.de schnelle Hilfe über das Internet das-beratungsnetz.de
Hilfe
   
   
Suche starten
Partnerschaft & Sexualität
Psyche
Therapie & Beratung
Soziales & Zwischenmenschliches
Sucht
Trauer & Einsamkeit
Körperliche Beschwerden
Mailberatung
Einzelchatberatung (Termin)
moderierte Gruppenchats
Expertenchats
Helpline



Nutzungsbedingungen
DatenschutzImpressum
 das-beratungsnetz > Index
Sekten und Kulte

Haben wir verlernt selber zu träumen?

von tam

Anwesend war: Dipl.-Psych. Dieter Rohmann, freiberuflich im Bereich totalitärer Bewegungen, sog. Sekten/Kulte aufklärend und beratend tätig.



Sekten und Kulte

Der Begriff „Sekte“ wir eher umgangssprachlich und pauschal als Sammelbegriff für alle möglichen Gruppierungen auf dem Psychomarkt, religiöse Vereinigungen und andere Weltanschauungsgemeinschaften verwendet. Wissenschaftler und Laien verstehen diesen umstrittenen Begriff jedoch sehr unterschiedlich. Was für den einen eine Sekte ist, ist für den anderen eine Religion - oder, gegebenenfalls, eine politische oder kommerzielle Organisation. Der amerikanische Psychologie-Professor Robert Jay Lifton ("Terror für die Unsterblichkeit", 2000, Seite 17) verwendet den Begriff Sekte z.B. nur dann, wenn ein Gruppe die folgende drei Merkmale aufweist:

  • totalitäre Praktiken oder Formen der Gehirnwäsche,
  • statt einer Verehrung spiritueller Prinzipien die Verehrung eines Gurus oder Führers und
  • eine Verbindung aus spiritueller Suche von unten und - zumeist ökonomischer und/oder sexueller - Ausbeutung von oben.

So verschieden die sogenannten "Jugendsekten“ von ihrem äußeren Erscheinungsbild her auch sein mögen, eins haben sie laut Margaret Thaler Singer meistens gemeinsam:

  • eine patriarchalische Führerfigur, die blinde Unterwerfung und gehorsame Befolgung aller ihrer Gebote verlangt
  • ein strenges Reglement, das den Sektenangehörigen genau vorschreibt, wann und was sie zu arbeiten haben, wann sie welche Gebete, Gesänge oder Meditationen absolvieren müssen, und so weiter
  • ein Elitebewußtsein; wer dieser Sekte angehört, ist auserwählt, gottnah, ein "besserer Mensch“

Alle diese Merkmale sind nicht besonders förderlich für die Entwicklung der überwiegend jungen Menschen, die sich vom Leben in einer Sekte meist die Antwort auf all ihre psychologischen und religiösen Fragen erhoffen. Im Gegenteil, oft kommt es zu schwerwiegenden geistigen und seelischen Schäden bei den Mitgliedern.

„Ich doch nicht!“

In der Bundesrepublik existieren nach Schätzungen verschiedener Experten zur Zeit etwa 1000 bis 1500 "Sekten" oder Religiöse Sondergruppen mit sektenähnlichen Charakter. Sie haben 1,6 - bis 2 Millionen Mitglieder oder Anhänger. Wer ist besonders gefährdet, Anhänger einer totalitären Gruppierung zu werden? Laut einer Studie von Rohmann, der in seiner Beratungsarbeit 110 Menschen beim Ausstieg begleitet hat, kommt zu folgendem Ergebnis: Vor allem die 21 bis 25 jährigen fühlen sich angezogen von Sekten und Kulten. „Aufgewachsen ist das „typische“ Kultmitglied vorwiegend in einer Kleinstadt oder in ländlicher Umgebung, und es verfügt über eine höhere Schulbildung. Berufliche Zukunftsvorstellungen waren bei den Untersuchungsteilnehmern nur selten vorhanden. Die Herkunftsfamilie zählte meist zur (gehobenen) Mittelschicht und umfasste zwei bis drei Kinder. Die meisten der Beurteilten hatten einen problematischen Familienhintergrund und litten unmittelbar vor ihrem Kultbeitritt unter mehreren belastenden Erfahrungen in ihrem Leben, zum Beispiel innerhalb der Familie, in ihrer Beziehung, in der Schule oder im Beruf. Diese Probleme summierten sich zu einem enormen Belastungsdruck; der Kultbeitritt versprach Erleichterung. Nur bei einem geringen Anteil der Mitglieder lag eine psychische Störung vor.“

Schwierigkeiten beim Ausstieg

In eine Sekte einzutreten ist relativ einfach: Man lässt sich anwerben und unterwirft sich den Regeln der Gruppe oder des "Führers“. Wie aber kommt man wieder heraus? Und vor allem: Mit welchen sozialen und psychologischen Problemen haben die "Aussteiger“ zu kämpfen, wenn sie aus der ekstatischen "heilen“ Welt in die Wirklichkeit zurückkehren?

Laut Margret Singer gibt es drei Gründe die ein Mitglied einer sog. Sekte zum Ausstieg bewegen:

  • das Mitglied entdeckt eine unüberbrückbare Diskrepanz zwischen der Heilslehre seiner Gruppe und dem tatsächlichen Handeln
  • das Mitglied wird von der Gruppe ausgeschlossen
  • das Mitglied entscheidet sich aufgrund von Gesprächen mit Familie, Freunden oder professionellen Beratern für einen Ausstieg

Egal was den Stein zum Rollen bringt, jeder Weg hält seine Hürden und Schwierigkeiten bereit. Von Gewicht sind nämlich auch die Dauer der Mitgliedschaft und die Position in der Gruppe, die psychische Verfassung des Einzelnen und die Unterstützung, die er von außen erfährt.

Zu den häufigsten Problemen nach einem Ausstieg gehören Depression, Schuldgefühle, eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit, Perspektivlosigkeit, Sorge und Trauer, Wut und Ärger, Furcht und Angst, Isolationsempfindungen, Misstrauen, die Tendenz zu verabsolutiertem dichotomen Denken, das Gefühl überflüssig und wertlos zu sein, Schlafstörungen und Alpträume, Familien- und berufliche Probleme, Entfremdungsgefühle, etc.. Um Kultmitglieder bzw. Kultaussteiger adäquat begleiten zu können, sollten nach einer gründlichen Anamnese und Diagnostik laut Rohmann folgende drei Stufen der Reihe nach durchlaufen werden.

Die unmittelbar mit einem Kultausstieg verbundenen Symptome - vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs - können im Wesentlichen innerhalb der Stufen I und II bearbeitet werden. So werden in Stufe I Hintergrundinfos zur Sekte/Kult vermittelt. In Stufe II werden psychologische Theorien dargestellt, um Phänomene wie Abhängigkeit, Täuschung oder Manipulation darzustellen. Daraus soll auch deutlich werden, dass quasi jeder empfänglich wäre für solche Mechanismen. Der größere und nicht-sichtbare Teil des Eisbergs befindet sich unter der Oberfläche und kann, erst nachdem Stufe I und II durchlaufen wurden, innerhalb der Stufe III bearbeitet werden. Hier wird die Frage aufgeworfen, wie es überhaupt zu dem Kulteintritt kommen konnte. Wie War die familiäre Situation vor dem Eintritt, gab es Probleme, was für Wünsche und Sehnsüchte gab es. Die jahrelange Erprobung dieses Interventionsansatzes zeigt, dass erst dann, wenn alle diese drei Stufen - von oben nach unten - durchlaufen wurden, der Klient/die Klientin dazu befähigt werden konnte seine/ihre Kulterfahrung zu verstehen und zu verarbeiten, um schließlich zu einer selbst-akzeptierenden Grundhaltung zu gelangen.

Der Expertenchat zum Thema Sekten und Kulte hatte das Ziel, alle teilnehmenden User speziell über die Ausstiegsproblematik zu informieren. Der eingeladene Experte hat während des Chats unter anderem die Aufgabe übernommen, Betroffenen Wege aus totalitären Gruppen aufzuzeigen, und Fragen der Anwesenden zu beantworten.





Verwandte Themen:

Hilfe
alle Termine anzeigen
Hilfe
Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel?
Ja, verschiedene.
Ja, vor allem Vitamine.
ja, vor allem Mineralstoffe.
Ja, vor allem Antioxidantien.
Nein, eigentlich nicht.
zum Quickpoll

FAQAboutPartnerDownload
(c)2000 zone35